• Mira Wieland

Baumschnitt auf Langeoog

Dass wir dort wohnen, wo andere Urlaub machen, zeigt sich erst recht, wenn man einen Arbeitsauftrag auf der Insel bekommt.


ERDENREICH – Baumpflege auf Langeoog. Eine Prämiere – eine schöne und aufregende!


Natürlich bin ich nicht zum ersten Mal auf einer der ostfriesischen Inseln, aber es ist das erste Mal, dass alle Organisation allein von mir abhängt. Ich checke das Wetter, schaue nach einer passenden Fähre und stimme mit dem Kunden den Termin ab. Als alles passt, buche ich das Ticket online und drucke es aus.

Natürlich habe ich mich für die MS-Flinthörn entschieden.

Für mich ist es das nette, authentische Heimwerkerboot und ein Familienunternehmen. Die große Fähre sollen ruhig die Touristen buchen! Auf der Flinthörn sind wir eher „unter uns“.


Sean und ich planen genau, welches Werkzeug wir benötigen, denn wir müssen schließlich alles dort hin tragen. Nur das Nötigste wird mitgenommen und am Ende stehen wir mit jeweils drei geschulterten Päckchen und unserer Stangenknipse am Hafen von Bensersiel und schauen dem Schiff beim wenden und anlegen zu.


Unser bunter Klimperkram erregt Aufmerksamkeit und schon kommen wir mit den anderen Fahrgästen ins Gespräch darüber, welche Tätigkeit wir wohl ausüben. Wir fahren zum Arbeiten auf die Insel und es fühlt sich gar nicht so an…


Als wir um 09:20 Uhr abfahren, liegt noch ein weiter Weg vor uns bis zur Baustelle, die wir schließlich um 11:00 Uhr erreichen. Zwar müssen wir einen Mundschutz tragen, doch ziehe ich diesen immer wieder ab, um die Luft zu riechen, die doch anders ist, als auf dem Festland. Auch der Wind ist stärker – einfach insgesamt eine andere Stimmung.


Beim Kunden angekommen, besprechen wir mit einem Kaffee in der Hand die Maßnahmen an den drei Bäumen: eine Buche, eine Eiche und eine Linde. Kronenpflege ist fällig und an jedem Baum anders. Der Nachbar stört sich an den herabhängenden Ästen der Buche auf seinem Weg; die Eiche hängt ein wenig zu sehr über das Dach des Hauses und die Linde steht dicht und voll am Weg des Kunden und ragt weit auf die Wiese des anderen Nachbarn hinaus.


Die Bäume sind, wie die meisten anderen Bäume auf der Insel generell, nicht hoch. Diese weisen ca. 12m auf. Sie trotzen dem Wind, der Seeluft und haben dadurch oft einen schiefen Wuchs. Sie bilden ganz andere Wurzelsysteme auf, als die Bäume auf dem Festland. Die meisten Ziergärten auf der Insel haben gar nicht erst hohe Bäume, um vor Schäden sicher zu sein. Zumeist finden sich hier Großsträucher und Stauden.

Als wir mit unserer Arbeit beginnen, haben wir uns für drei verschiedene Kronenpflegen entschieden. Wir wollen möglichst in der vorgeschriebenen 10-15% Reduzierung bleiben, um den Bäumen keine Schäden zuzufügen.


Die Buche, in welche Sean klettert, wird vom Totholz befreit. Außerdem bekommt sie eine sanfte Auslichtung – Reiber werden entfernt und die vom Nachbarn abgeschnittenen Äste werden nachgeschnitten und korrigiert. Denn hier haben sich an den „Kleiderharken“ Neuaustriebe gebildet, welche nun pinselartig in alle Richtungen abstehen und dem Baum in seiner natürlichen Wuchsform negativ beeinflussen.



Ich selbst nehme mir die Linde vor. Viele kleine Schnitte sind angebracht. Die Krone muss ausgelichtet werden, ohne diese einzukürzen. Mehrere parallel wachsende Äste werden herausgeschnitten (Konkurrenztriebe), sodass mehr Licht in den Baum fällt. Die unteren, herabhängenden Äste werden eingekürzt, sodass sie sich wieder nach oben biegen – also das Gewicht verlieren – und nun nicht mehr über den Weg oder direkt über den Zaun des Nachbarn hängen. Auch hier muss ich Äste am Stamm abschneiden, welche einfach nur abgeschnitten wurden und diese „Kleiderharken“ mehr als 10cm mit ebensolchen besenartigen Neuaustrieben behaftet sind, wie an der Buche.


Wenn man schon herabhängende Äste entfernen muss, um darunter durchlaufen zu können, entfernt man besser den gesamten Ast direkt am Stamm und schneidet, wie der Ast gewachsen ist, um die kleinste Schnittwunde zu erzeugen. Dieses „Aufasten“ findet man oft in der Pflege der Alleenbäume im Stadtgebiet. Der Baum kann diese Wunde besser verschließen, als lässt man ihm dieses Stück Ast „Kleiderharken“, an welchem sich dann diese Schosse bilden, die wirklich nicht schön aussehen und Bakterien eher eine Fäule bieten!


Als Sean und ich mit unseren Bäumen fertig sind, klettern wir gemeinsam in die Eiche. Wir wählen unterschiedliche Ankerpunkte, um den Baum optimal zu pflegen: Ich bewege mich Richtung Haus und Dach und entnehme dem Baum zwei stärkere Äste, welche auf dem Dach aufliegen. Ich schneide auf Ableitung, um der Eiche eine Irritation im Wuchs zu ersparen. Sean klettert am Stamm hoch und wieder herunter und entfernt Totholz, Reiber und Stammaustriebe.



Als wir um 15:00 Uhr fertig sind, ist doch ein ganz schöner Haufen Schnittgut zusammen gekommen! Mehr als 2m³ Grünschnitt sammeln wir an der Hauswand, welcher später gehäckselt wird. Die Mieterin hilft uns beim Aufräumen und trennt Stammholz von Grünschnitt, welches sie einem anderen Insulaner als Brennholz überlässt.


So ist das Leben auf der Insel: alles, was anfällt, wird verwertet. Denn alles muss per Fähre angeliefert werden! Also bedient man sich der Dinge, die vorhanden sind.

Voll im Zeitplan packen wir unsere Ausrüstung wieder ein, verstauen Seile und Karabiner und laufen zurück zur Inselbahn, welche uns zur Fähre bringt und damit wieder ans Festland.


Arbeiten auf der Insel heißt: ein langer Arbeitstag und doch Kurzurlaub mit Fahrbierchen auf dem Rückweg!


Schön war´s

Über mich

Mein Name ist Mira Wieland. Mein Ziel ist es, Bäume zu erhalten, angemessen zu pflegen und sie zu schützen. Kappungen müssen vermieden werden, wie das unnötige Fällen gesunder und vitaler Bäume. Dabei nachhaltig und ökologisch zu arbeiten, ist mir ebenso wichtig, wie das Anwenden von geeigneten Schnittmaßnahmen.

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