• Mira Wieland

Die Rettung einer rund 240 Jahre alten Schwarzpappel in Bunde

Als wir zur Besichtigung dieser Baustelle erstmals im Sommer 2020 fuhren, sahen wir den Baum schon von weitem. Höher als alle anderen Bäume in dieser Straße und mit mächtiger und ausladender Krone.


Bunde gehört nicht wirklich zu unserem Betriebsradius, da es dort einige Baumpflegfirmen gibt. Doch am Telefon schien die Kundin ziemlich verzweifelt, weshalb wir diesen weiten Weg auf uns nahmen. Schon vier andere Firmen waren vor uns zur Besichtigung da und alle sagten das Gleiche: „der Baum muss weg, der ist kaputt“.


Alle vier Firmen schickte die Kundin wieder weg, wurde immer mutloser und recherchierte, bis sie schließlich ERDENREICH fand. Wenn sich also kein anderer findet, einen Baum zu retten, dann fahren wir eben auch 1 Stunde 10 Minuten!


Diese Pappel jedenfalls, um die es geht und von der Kundin unbedingt erhalten werden möchte, hat einen Stammumfang von 540 cm! Das ist beeindruckend und ich selbst hatte noch nie mit einer solch großen und alten Pappel zu tun.


Pappeln werden in der Regel zw. 80 und 150 Jahren alt, wenn man den Büchern glauben darf. Tendenziell haben sie einen schlechten Ruf: Sie sind brüchig, weil schnell wachsendes Holz; sie haben keinen hohen Brennwert und ihre Wurzelausläufer machen im Straßenbau gerne Probleme. Außerdem neigen sie zu Grünastabbrüchen, ohne dass es vorher Anzeichen einer Schädigung gibt. In den Großstädten gibt es sie daher kaum noch, wegen all dieser Probleme. Im ländlichen Bereich allerdings wachsen und gedeihen sie gerne als Pioniergehölze und sind in der Lage, sich zu Wäldern zu entwickeln.


Diese Pappel hier bietet eine schöne Ausnahme:


Es ist eine Schwarzpappel (Populus nigra) und ist tatsächlich mittlerweile eine bedrohte Art. Sie steht auf der roten Liste und gehört damit zu den schützenwerten Gehölzen.

Die Schwarzpappel hat nämlich die Besonderheit, dass sie durchaus 300 Jahre und älter werden kann und somit auch wieder eine wertvolle Rolle im Ökosystem darstellt.


Der Starkastabbruch dieser Pappel hat einen Durchmesser von 60cm und ist somit so dick, wie manch ein Baum! Dieser Starkast kippte einfach am Stamm ab und hängt nun mehr oder weniger am Straßenrad. Ein Teil des Weidezaunes ist daran befestigt, so dass er sich gut in das Gesamtbild des Grundstücks integriert.



Nun wurde die Kundin dadurch aber gewarnt und sie hat Bedenken, dass noch mehr Starkäste abbrechen könnten, gerade die, welche über die Straße hängen.

Schnell wird klar, dass wir aufgrund der Höhe des Baumes und der Ausmaße nicht per SKT in den Baum kommen. Eine Hebebühne muss her, noch besser ein Kran. Doch nun kommt das nächste Problem: ein Volk Wanderbienen wohnt bereits in diesem Baum, in einer der hohlen Stämme und somit begleitet uns die gesamte Kontrolle hindurch dieses tiefe Summen. Wir werden diese Wildtiere ganz bestimmt nicht stören und verbleiben mit der Kundin so, dass wir im Herbst wieder kommen…. Standsicher ist er alle mal.



Nach dem Insektenflug, im späten Herbst, sind wir wieder vor Ort. Dieses Mal haben wir die LKW-Bühne dabei, die sich aber nicht aufbauen lässt und so verzögert sich die Baustelle um weitere Wochen.


Nun ist Winter und wir können mit den Arbeiten beginnen: Alles Totholz wird entfernt und weitere Starkäste kontrolliert. Hier und da gibt es Risse in den Stämmlingen und wir schneiden zurück, um die Last zu nehmen. Dabei sehen wir zu, dass wir keine großen Schnitte machen müssen und Ableitungen finden, die der Baum verkraften kann.


Um den abgebrochenen Starkast kümmert sich mein Kollege mit der großen Säge. Heiko hat das 1m Schwert dabei und dies ist bei der Größe und Gewicht des Astes auch angebracht, welcher eine Länge von über 5m aufweist. Um den Stamm wird ein Poller angebracht und zwei Seile oberhalb der Abbruchstelle, sodass der Stämmling gesichert und nicht unkontrolliert wegrollen kann. Solange ich mit der Bühne das Totholz beseitige, brauchen die Jungs am Boden den Stämmling klein zu sägen. Diese „kleinen“ Stücke von 40cm haben noch ein Gewicht von knapp 50kg. Nach einer Stunde liegt der abgebrochene Ast endlich am Boden und kann weiter zerteilt werden.



Ich nehme mir die Zeit den Baum zu sichten, zu kontrollieren und zu vermessen. Ich finde Erstaunliches: der Stamm teilt sich auf 5m in zwei Stämme. Beide sind hohl und würde zweimal hineinpassen. Und doch sieht das Gewebe gut aus. Es ist trocken und fest. Offensichtlich reicht diesem Baum die Restwandstärke aus, die mächtige Krone zu halten.

An einem größeren Starkast, welcher über die Koppel hängt, sehe ich ein Gebilde, welches ich mir genauer ansehe. Zuerst dachte ich, finde ich dort baumzersetzende Pilzfruchtkörper aber es sind Waben. Diese hängen wie Zapfen nach unten an diesem Starkaststück. Auch dies habe ich vorher noch nie gesehen.


Mir wird klar, dass wir uns gerade in einem Habitat aufhalten, welches auch weiter zu erhalten gilt.


Wenn wir der Berechnungstabelle des Alters Glauben schenken dürfen, ist diese Schwarzpappel erst 244 Jahre alt. Somit ist sie noch nicht ausgewachsen und kann durchaus auch weitere Jahrzehnte so stehen.

Die Schwarzpappel steht auf der roten Liste bedrohter Pflanzenarten und wird als gefährdet eingestuft.


Unsere Kundin freut sich, als ich ihr sage, dass wir die Schwarzpappel als Naturdenkmal eintragen lassen.


Der Baum erfüllt die dafür notwendigen Bedingungen:

  • Besonderheit des Alters

  • Alleinstellungsmerkmal aufgrund der Art

  • Solitärer Stand und auffälliger Habitus


Wir kommen im Frühjahr wieder. Ich möchte nun sehen, wie sich der Baum entwickelt, wie seine Knospen aufgehen und er neue Blätter bildet. Und dann schaue ich mir das ganze wieder im Sommer an und im Herbst…. Bis dahin haben wir bestimmt auch Rückmeldung, von der Unteren Naturschutzbehörde!


Bleibt weiter achtsam.

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Über mich

Mein Name ist Mira Wieland. Mein Ziel ist es, Bäume zu erhalten, angemessen zu pflegen und sie zu schützen. Kappungen müssen vermieden werden, wie das unnötige Fällen gesunder und vitaler Bäume. Dabei nachhaltig und ökologisch zu arbeiten, ist mir ebenso wichtig, wie das Anwenden von geeigneten Schnittmaßnahmen.

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