• Mira Wieland

Ein abgestorbener Baum wird zum Habitat

In den vergangenen Wochen hatten wir, die Fa. ERDENREICH, tolle Baustellen und tolle, achtsame Kunden – wir haben zurückgeschnitten und eingekürzt, haben Sturmschäden der Krone beseitigt, Totholz entfernt, Vitalkuren verabreicht und Habitate geschaffen. Große und alte Bäume wurden gelistet und ins Kataster aufgenommen und all diese Bäume werden von uns auch in den kommenden Jahren besichtigt und betreut. Jeder einzelne Baum ist uns ans Herz gewachsen und nun wollen wir natürlich auch sehen, wie sich diese in den kommenden Jahren entwickeln.


Ich persönlich habe in dieser Saison viel über abgestorbene Bäume gelernt und was man doch tun kann, für die Tier- und Insektenwelt – auch noch Jahre später.


Wir haben auf den vergangenen Baumpflegetagen in Osnabrück zugehört und übernehmen diese Sichtweisen und Methoden und setzen diese um, ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.

Ökosysteme dürfen bleiben und „tote Bäume“ sind keineswegs tot oder gar hässlich. Auch das Stehenlassen des Stammes eines Baumes, erfüllt noch einen wichtigen Zweck. Weiterhin werden Höhlungen durch Vögel und Fledermäuse genutzt und Insekten finden unter der Borke ihr Zuhause und tun, was sie tun: Sie zersetzen Holz und daraus entsteht Humus.


Auch auf unserer Grundstücksgrenze befindet sich eine abgestorbene Birke. Efeu klettert bis in die Krone hinein. Sie wirkt skurril inmitten der gesunden Bäume. Doch in diesem Baum konnte ich über den Sommer hin, zwei Specht Arten beobachten und unzählige Singvögel, welche in ihm brüten und diesen anfliegen. Einst wollte ich ihn wegnehmen, dem Nachbarn anbieten ihn zu fällen – nun werde ich ihn erhalten. Er ist noch immer standsicher und trotzt allen Stürmen und selbst wenn er eines Tages fällt, kann er nichts kaputt machen und hängt sich wahrscheinlich nur in den benachbarten Bäumen auf. Es gibt also keinen Grund, ihn weg zu nehmen und ihn zu fällen! Alles hat einen Sinn, auch ein scheinbar toter Baum, denn darin bewegen sich mehr Tiere, Insekten und Organismen, als in einem lebenden Baum. Das zumindest haben wir gelernt und durch Biologen bestätigt bekommen.


Mit dieser Einstellung, hatten wir es auch mit einem sehr außergewöhnlichen Baum in Norden zu tun. Der Kundenauftrag lautete: „Nimm den toten Baum weg, er könnte brechen und Schaden anrichten.“ Diese ungewöhnliche Korkenzieher Ulme (Ulmus glabra ´Camperdownii´) ist nach Kundenaussage schon eine ganze Weile abgestorben. Der Kunde nahm zwar diesen Baum wahr, wusste aber nicht, dass dieser auf seinem Grundstück steht. Nun war „Gefahr in Verzug“ da die immer wieder herabfallenden Äste aus der Krone des Baumes, den benachbarten Rasen „verschmutzten“. Natürlich hatte der Kunde bedenken, dass beim nächsten Sturm der gesamte Baum in sich zusammenfällt und etwas beschädigen könnte. Nicht nur des Nachbars Gartenhütte, sondern auch die 5m entfernte Bahnschiene oder Hochleitung der Bahn.


Bei Baustellenbesichtigung hatte ich die Idee, den Baum per SKT abzutragen. Doch das Einwerfen des Seiles führte zum Herabfallen einiger Äste und Zweige und weiterem Bruch in der Krone. Also besser Hände weg vom Klettern!

Nach Rückmeldung mit dem Kunden orderten wir doch die Hebebühne, einfach, um den Baum sicher und kontrolliert abzutragen.


Ein paar Tage später dann die Umsetzung


Ablassseile und Poller am Stamm verhindern, dass die abgesägten Kronenteile unkontrolliert auf den Boden fallen.

Das tote Holz wiegt zwar nichts, aber dennoch dürfen die Stücke nicht all zu groß sein, um sie noch so abzulassen, dass nicht allzu viel der kleineren Äste auf des Nachbars Grundstück fallen. Und tatsächlich zerbersten die Kronenteile, wenn sie den Boden berühren, in 1000 Teile und springen Meter weit.





5 Stunden später steht nur noch der Stamm, welcher sich auf 1 Meter Höhe in zwei Stämmlinge gabelt und einen Durchmesser von ca. 60cm aufweist. Die Männer am Boden haben bereits den Baum auf zwei perfekte Haufen verteilt – die dünneren Kronenteile werden abgefahren und entsorgt, das Stammholz in tragbare Stücke geschnitten und weiter verwendet.

Die Stammstücke liegen nun auf einem Pferdehof und werden als natürliche Hindernisse eingesetzt. Einen Teil des Stammholzes haben wir uns mitgenommen und kann direkt als Feuerholz verwendet werden, da der Baum so trocken ist, dass das Holz nicht einmal mehr abgelagert werden muss. Zu spalten geht es prima!


Die Reste der Ulme wurden somit quasi perfekt recycelt.


Für mich beeindruckend ist die Farbe des Holzes. Hell und Dunkel gemasert und in sich gedreht, haben diese Stämmlinge auch nach dem Schnitt noch ihren Charme. Sean hat sich natürlich ein 3m langes, geschwungenes Kronenteil mitgenommen. Dieses wohnt nun in seiner Wohnung und dient als Dekoration und Aufhängung seiner Kletterpflanzen. Auch haben wir ein paar Stammscheiben geschnitten, welche neben den anderen Baumscheiben an der Wand des Büros hängen. Ich mag diese Anschauungsobjekte, da jeder Baum in seinem Querschnitt eine andere Maserung aufweist und die Holzfarben immer unterschiedlich sind. Und so haben diese abgetragenen Bäume auch noch ihren Zweck.


Der Habitatbaum ist nun standsicher

Aber zurück zum Habitat: Der auf dem Grundstück verbliebene Stamm ist nun standsicher und kann nicht mehr umfallen, da ihm die Windanfälligkeit genommen wurde. Auf 4 Metern Höhe befindet sich ein Spechtloch, welches auch weiterhin durch Vögel und Insekten genutzt werden kann. Unzählige Käfer und andere Insekten bewohnen den Stamm, welche nun nicht umsiedeln müssen.


Der Habitatbaum darf bleiben und gehört fortan zum Blickfang dieses außergewöhnlichen Gartens, welcher im kommenden Frühjahr eine bunte und Bienen freundliche Unterpflanzung erhält.


DANKE an dieser Stelle an unsere Kunden, welche sich auf diese Experimente einlassen und dafür sorgen, dass erhaltenswerte Bäume als Habitat bleiben dürfen!


Mehr davon, das ist unser Wunsch. Denn auch dafür sind wir Baumpfleger!


Wir denken nachhaltig.

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Über mich

Mein Name ist Mira Wieland. Mein Ziel ist es, Bäume zu erhalten, angemessen zu pflegen und sie zu schützen. Kappungen müssen vermieden werden, wie das unnötige Fällen gesunder und vitaler Bäume. Dabei nachhaltig und ökologisch zu arbeiten, ist mir ebenso wichtig, wie das Anwenden von geeigneten Schnittmaßnahmen.

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