• Mira Wieland

Eine alte Walnuss in Schortens

Heute möchte ich euch von einem besonderen Baum im besonderen Schortens berichten:


Hier sprach mich ein Kunde an, als wir bei seinem Nachbarn Obstbäume schnitten. Ich sollte mir nun auch seinen Garten angucken kommen, dort stünde ein „Problembaum“.


Schon beim Betreten dieses Gartens fällt mir schnell auf, dass dieses Grundstück ganz anders „gepflegt“ wird, als das beim Nachbarn. Dieser Garten hier ist eher „wild“, der Rasen ist eher eine Wiese, diverse Sträucher stehen zum Nachbarn hin und wurden vermutlich noch nie geschnitten. Der eine oder andere Kram steht herum und ein echtes Konzept, für die 500m² Grün, hat sich bisher auch noch keiner überlegt. Auch der angelegte „Teich“ ist eher ein eingezäuntes, dunkles, zugewachsenes Wasserloch.

Ich mag solche Gärten! Natürlich und sich selbst überlassen! Hier gibt es Vögel, Insekten und sogar Froschlaich, dank des „Teiches“.

Die einzigen, die sich wohl an diesem Gartenkonzept stören, sind die Nachbarn selbst, denn der Wildwuchs hat natürlich einen Weg, durch oder über den Holzzaun - in alle Richtungen, gefunden.


Und inmitten dieser eingezäunten Fläche, ragt ein wirklich imposanter Walnussbaum, ca. 25m in die Höhe. Ich messe den Stammumfang (mehr als 2m) und betrachte mir diesen. Erst ab einer Höhe von 3m gehen die ersten Starkäste ab. Auch sind die Abstände der einzelnen Starkäste, in der Höhe, weit voneinander entfernt. Außerdem behindert Fremdbewuchs (Efeu) die weitere Sicht, denn der Baum wird 4stämmig auf ca. 7m. Nicht wirklich ein Baum zum klettern! Doch der Garten lässt nicht zu, mit einer Arbeitsbühne hineinzufahren, also hole ich mein Einwurfset und beginne mich einzuwerfen, um mein Kletterseil einhängen zu können.


Ich sehe schon, was das Problem dieses Baumes ist – die Äste ragen weit über das Grundstück eines anderen Nachbarn (was dem natürlichen Habitus dieser Walnuss absolut entspricht). Dieser andere Nachbar hat ja auch das „Problem“ mit dem Baum, nicht mein Kunde.


Im unteren Bereich des Baumes gibt es vermehrt Totholzbildung, teilweise 18-25cm im Durchmesser. Dieses werden wir entfernen, um einem „unkontrollierten Bruch“ und daraus resultierendem Schaden, entgegenzuwirken.

Mit Stammumfang von 2,05m, ist diese Walnuss beachtliche 150 Jahre alt!

Anhand meiner Tabelle lese ich das Alter des Baumes aus. Mit Stammumfang von 2,05m, ist diese Walnuss 150 Jahre alt! Das ist beachtlich, denn ein Baum dieser Sorte wird nur höchstens 160 Jahre alt, in Deutschland (so die Angaben) eher nur 100 Jahre.


…. Ich habe mein Kletterseil in einer guten Höhe eingebaut und erkunde den Baum. Dort entferne ich zunächst den Efeu, um besser nach Schadstellen suchen zu können. Ich finde aber keine. Der Baum ist einfach nur trocken, obwohl er an diesem „Teich“ steht. Die Borke ist brüchig, aber stabil. Auch macht er insgesamt einen stabilen Eindruck. Die toten Schwachäste entferne ich, doch selbst die haften fest am Baum, sodass ich eher Mühe habe, sie zu Boden zu bringen!


Betrachte ich mir die Krone und den Neuaustrieb, stelle ich fest, dass der Baum nicht mehr so 100%ig vital ist. Nur im äußeren Bereich von ca. 3m entwickelt er noch Knospen und frischen Austrieb. Der Rest ist kahl bzw. voller Fremdbewuchs. Auch diesen entferne ich, soweit ich dran komme. Für die Betrachtung des Baumes reicht es allerdings.

Problembaum und Ärgernis, wegen herabfallenden Walnüssen?

Noch immer entwickelt der Walnussbaum Blüten und Früchte, wie mir der Kunde mitteilt. Genau das sei auch das Ärgernis des Nachbarn – die herabfallenden Walnüsse! Diese fielen schließlich auf sein neues Gewächshaus…. statt sich zu freuen, sie aufzulesen und zu essen?!

Fakt ist: der Baum ist 150 Jahre alt und steht somit länger, als die Häuser auf den Grundstücken und auch länger als die Grundstücksteilung erfolgte.


Glücklicherweise wurde die Wurzel der Walnuss nie verdichtet. Sie konnte sich arttypisch ausbreiten und entwickeln und ragt natürlich auch in das Nachbargrundstück hinein. Auch dort ziehen sie Grundwasser, was erklärt, warum die angelegten Beete des Nachbarn, nicht den erhofften Ertrag erzielen…. Bäume eben!


Fakt ist auch: Der Baum ist bereits „rückbildend“. Er hat seine Endhöhe und sein Alter erreicht und versorgt sich nun immer weniger. Diese Rückbildung hat das natürliche Absterben des Riesen zur Folge – seine Zeit ist abgelaufen. Die Blütenentwicklung und Fruchtfolge wird demnach nicht mehr lange andauern, ein paar wenige Jahre nur noch.


Ich sehe jedoch keinen Grund dafür, den Baum jetzt schon zu entfernen. Noch ist er standsicher, noch treibt er aus und weiter in die Höhe wird er nicht mehr wachsen.


Ich belasse es bei den wenigen Schnitten und der Entfernung des Totholzes. Wir kommen im Herbst wieder – wenn der Baum eine weitere Vegetationsperiode hinter sich hat – dann auch können wir vielleicht ein paar weitere Einkürzungen vornehmen, um den Nachbarn zu beruhigen.


Besser ist es – und dafür zeigt sich der Kunde absolut einsichtig – diesen Baum nun jährlich zu kontrollieren; ihn zu beobachten, seine Rückbildung zu dokumentieren, seine Standfestigkeit zu überprüfen und gegebenenfalls Maßnahmen einzuleiten, um Bruchschäden vorzubeugen.

Hoffentlich steht er noch lange so da – dieser schöne, erhabene Baum – diese alte Walnuss…

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Über mich

Mein Name ist Mira Wieland. Mein Ziel ist es, Bäume zu erhalten, angemessen zu pflegen und sie zu schützen. Kappungen müssen vermieden werden, wie das unnötige Fällen gesunder und vitaler Bäume. Dabei nachhaltig und ökologisch zu arbeiten, ist mir ebenso wichtig, wie das Anwenden von geeigneten Schnittmaßnahmen.

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