• Mira Wieland

Erfahrungen und Rückmeldungen aus der Baumpflege

Was macht eigentlich einen guten Baumpfleger aus?


Richtig, die Erfahrung! Es gibt Vorschriften und Leitfäden und den Austausch mit anderen. Und doch ist nichts wichtiger, als mit eigenen Augen seine Schnittmaßnahmen zu beobachten und kontrollieren zu dürfen.


Gestern, als ich auf einem Termin bei einer neuen (mir bekannten) Kundin war, konnte ich sehen, was eben auch schief laufen kann in der Baumpflege und davon möchte ich Euch heute erzählen…


Bevor ich ERDENREICH gründete, war ich – wie einige wissen – eine angestellte Baumpflegerin. Und diese angestellte Baumpflegerin übte natürlich ihren Job aus, wie es der Chef anordnete! Zwar gab es Unbehagen, Bedenken und Anmerkungen meinerseits und doch musste ich den Job ausüben, für welchen ich angestellt wurde…

Dies jedoch hatte – wie ich heute weiß – nichts mit einer Maßnahme zu tun, die für den Baum gerade sinnhaft ist, geschweige denn im Blick hat, wie ein Baum tickt und behandelt bzw. geschnitten werden muss und kann. Früher ging es nur um Auftragslage und Geld einbringen. Wie oft musst ich mir anhören, dass ich eine „miese Geschäftsfrau“ sei!


ERDENREICH muss überleben und das auch in den Schlechtwetterperioden, aber bitte nicht zu Lasten der Bäume, die wir pflegen und für die wir die Verantwortung übernommen haben!


Heute und in meiner Selbstständigkeit kann ich folgendes sagen:


„Schneide keinen Baum im Winter, denn du wirst ihm Schaden zufügen, der ihn schließlich sterben lässt!“

Im Winter kannst du Roden, im Forst arbeiten oder Planung machen, aber auf keinen Fall schneidest du auch nur einen Baum!



Der Obstbaumschnitt – meine Erfahrung


Wie allgemein bekannt, kann man Obstbäume ab dem Herbst – wenn sie Frucht getragen haben oder dies noch tun – schneiden, also einkürzen: Wasserschosse raus und reduzieren…

ABER: wenn du dies im Herbst tust und nicht weißt, wie lang und wie trocken oder feucht der Winter wird, läufst du Gefahr, dass der Baum zurückfault oder rückfrostet und die abgeschnittenen Triebe zu Totholz werden oder dem Baum eine Faulstelle bietet. Hier schneiden wir, wenn überhaupt, nur im Schwachastbereich und entnehmen den Jahreszuwachs!


Schneide das Obstgehölz besser im kommenden Frühjahr – dann siehst´ du, wie er sich entwickelt und wo er neue Triebe bildet. Diese kannst du dann bereits im kommenden Herbst wieder reduzieren oder einkürzen.


Der Baumschnitt allgemein – meine Erfahrung


Schneide besser immer auf Ableitung! Vermeide es, stärkere Äste zu entnehmen (im Winter!)

Wenn Du einen Ast einkürzen musst, dann schau, wo er einen jüngeren Zweig hat, bis zu welchem du ihn einkürzen kannst (dieser sollte jedoch mehr als 30% des abzunehmenden Astes betragen). Bei meinem Kunden hat dies nicht funktioniert! Ich habe eine junge Linde im Spätherbst/Winter auf Ableitung geschnitten und was ist passiert? Dieser Ast ist komplett abgestorben. Er hängt nun als Totholz im Baum und muss am Stamm entnommen werden. Hätte ich diese Maßnahme im Frühjahr ausgeführt, wäre das nicht passiert!


Im Winter gelingt das Schneiden auf Ableitung nicht wirklich!

Und, stärkere Äste (ab 5cm Durchmesser) werden grundsätzlich im Sommer entnommen, da dann der Baum die Möglichkeit hat, aufgrund seiner Vitalität, die Wunde zu verschließen.



Wir machen unseren Kunden hiermit folgende Ansage


Die Auftragsbücher bis Ende Oktober sind bereits voll. Es stehen Rodungen, Fällungen und Rückschnitte an.


Doch ab November, wenn sich jeder Baum zurück gezogen hat und in seine Winterruhe geht, schneiden wir diese nur noch im Feinastbereich! Wir betreiben Kronenpflege, indem wir das Totholz entnehmen oder reduzieren nur im Feinastbereich. Wir schneiden gekappte bis auf die gekappten Stellen zurück; wir entnehmen einzelne Schosse aus den Obstgehölzen und das war es dann auch schon!

Egal, ob im Privatbereich oder im Städtischen – größere Maßnahmen finden dann erst wieder ab Mitte Ende Februar im kommenden Jahr statt!


Wir wissen, dass die Städte und Gemeinden Anordnung haben, die Baumpflegemaßnahmen in den Wintermonaten auszuführen. Hier wird auf geastet, entnommen und eingekürzt und oft mehr, als nur im Schwachastbereich. Dies wird offenkundig aus organisatorischen Gründen so vollzogen – wir aber nehmen Abstand davon!


Fakt ist: Schneidest du einen Baum im Winter mehr als nur im Feinastbereich, wird dieser die entstandene Wunde nicht optimal verschließen können. Es werden sich Bakterien entwickeln und morsche Stellen können sich bilden, welchen den Baum schwächen und auch absterben lassen können.

All die, die jetzt noch einen Rückschnitt im Schwach- und Starkastbereich haben möchten – wir bieten dies erst wieder im kommenden Frühjahr an und dann mit gutem Gewissen. Alles, ab November, wäre grob fahrlässig und für uns – ERDENREICH – im Sinne des Baumes, nicht zu vertreten.


Das heißt für uns: Fällen, roden und neu planen, aber die eigentliche Baumpflege – die, die für den Baum sinnhaft und erhaltend ist, findet nur in den Frühjahrs- und Sommermonaten statt. Punkt!


Die Linde des Kunden in Westerholt war ein prägendes Beispiel dafür, was nicht geht. Und auch die Obstbäume finden Rückschnitte im Winter nicht cool, denn es stört ihre Entwicklung und ihre Fruchtfolge. Lieber verjüngen wir Gehölze und korrigieren Heckenpflanzen – aber ausgedehnte Kronenpflege – nein DANKE!


Auch heute war ich wieder bei Kunden in Norden – Birken mit abgestorbener Krone – bedingt durch Rückschnitte zum falschen Zeitpunkt und der anhaltenden Trockenheit. Diese werden wir auf die Kappstellen zurück schneiden, jedoch die Kronenpflege auf kommendes Frühjahr verschieben.


Und denkt dran: Schafft einen Raum für überwinternde Tiere und Insekten. Baut Laubhaufen und Totholzhecken, lasst das Laub auch mal liegen… Die Bäume sind gestresst durch die Trockenheit und kommende Regenperiode. Lasst ihnen einfach die Ruhe und bleibt achtsam!


Und auch dafür, für diese Erkenntnis und diese Entscheidung bin ich in die Selbstständigkeit gegangen. Für die Bäume und für die Achtsamkeit und für das Wirken und Sein und eben nicht dafür, einem Chef einen Gefallen zu tun oder Gelder hereinzuholen.


Ich bin lieber eine „gute und passionierte Baumpflegerin“ und überlege mir etwas anderes für die Wintermonate, als dem nachzugeben….

In diesem Sinne: auf ein achtsames Miteinander und mit reinem Herzen!

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Über mich

Mein Name ist Mira Wieland. Mein Ziel ist es, Bäume zu erhalten, angemessen zu pflegen und sie zu schützen. Kappungen müssen vermieden werden, wie das unnötige Fällen gesunder und vitaler Bäume. Dabei nachhaltig und ökologisch zu arbeiten, ist mir ebenso wichtig, wie das Anwenden von geeigneten Schnittmaßnahmen.

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