• Mira Wieland

Von Mythen und Legenden in der Baumpflege

Um einmal mit sämtlichen Unsicherheiten und Fehlinformationen aufzuräumen, klären wir hier ein paar Fragen unserer Kunden und teilen sie mit allen.


Auch gestern wieder, auf einer Baustellenbesichtigung, haben wir gegen „allgemein gültige Regeln“ gesprochen und unser Wirken als qualifizierte Baumpfleger erklärt. Die meisten wissen noch immer nicht, dass Baumpflege tatsächlich das ganze Jahr über stattfinden kann. Nicht jede Maßnahme ist möglich, das stimmt und auch müssen die arbeitenden Baumpfleger den Artenschutz berücksichtigen. Finden wir ein Nest im Baum, sehen wir von Maßnahmen ab und schneiden später – wenn die Brutzeit vorbei ist.


Baumpflege kann tatsächlich das ganze Jahr stattfinden

Jedoch Fakt ist, dass ein Baum eine Schnittmaßnahme im Sommer besser verkraftet als im Winter. Im Sommer, wenn sich der Baum in seiner Wachstumsphase befindet, kann er Wunden besser und schneller verschließen und wird im Austrieb weniger gestresst oder irritiert. Auch entfernt man die Stamm- und Stockaustriebe eines Baumes eher im Sommer, da sie sich dann im Sommer drauf, weniger intensiv entwickeln. Im Winter, der Ruheperiode des Baumes, frieren Schnittstellen oft auf bzw. können diese nicht verschließen, da keine Säfte produziert werden und sorgen dafür, dass sich Viren und Bakterien im Holz entwickeln, welche zu faulen Stellen und Einmorschungen führen können.



Wann führe ich welche Schnittmaßnahmen an meinen Bäumen aus?


Die ZTV-Baumpflege legt ganz klar fest:

  • Schnittmaßnahmen betreffend Kronenpflege im Feinastbereich bis 5cm fügen dem Baum keinen bzw. nur geringen Schaden zu. Eine Kronenreduktion von 10% gehen im Sommer immer. Der Baum hat genug Zeit, die Wunden zu verschließen….

  • Totholzentfernung ist immer möglich.

  • Reibende Äste zu entfernen (Fein- und Schwachastbereich) ist immer möglich – besser aber im Sommer, solange die Reduktion nicht mehr als 10% im Gesamtumfang der Krone erfolgt.

  • Reibende Starkäste entnimmt man besser im Sommer, dann aber nur den einen oder zwei – eine weitere Kronenpflege verlegt man auf den kommenden Sommer. So kann der Baum in Ruhe die Wunde/n verschließen und sich erholen.

  • Wasserschosse, gerade die, welche ins Innere des Baumes wachsen, entfernt man besser im Sommer, aus vorgenannten Gründen.


Fruchtbildende Gehölze (Obst, Nüsse) schneiden wir grundsätzlich direkt nach der Frucht – also im Spätherbst. Obstbäume können grundsätzlich bis kurz vor den Neuaustrieb zurückgeschnitten werden. Ich empfehle jedoch, dies nicht in den kältesten Wintermonaten zu erledigen, aus Gründen des Rückfrostens.



Darf ich von März bis Oktober einen Baum fällen?


JA! Wenn es sich um einen Baum in „gärtnerisch genutzten Grundflächen“ – darunter versteht man Hausgärten und Kleingartenanlagen, Grünanlagen (Parks), Sportplätze oder Friedhöfe handelt. Aber auch im Wald oder Kurzumtriebsplantagen darf ebenfalls gefällt werden.


Meine Meinung hierzu: Naturschutz geht vor! Ich würde immer prüfen, ob sich nicht brütende Vögel, Fledermäuse oder sonstige Tiere im Baum aufhalten oder gar nisten. Ist das der Fall, würde ich von einer Fällung absehen und diese in den Herbst/Winter legen!


NEIN! lautet die Antwort, wenn es sich um Einzelbäume in Natur und Landschaft handelt, Alleenbäume oder sogenanntem Straßenbegleitgrün.


Die Städte selbst haben hier noch eigene Bestimmungen, welche aber für den privaten Bereich nicht relevant sind. Wer sich nicht sicher ist, meldet sich am besten bei der Gemeinde und fragt nach. Tut er dies nicht und wird angezeigt, einen relevanten Baum entfernt zu haben, kann dies eine empfindliche Strafe nach sich ziehen.



Was man allerdings von März bis Oktober ganz sicher NICHT darf


Hecken roden oder mehr als den Jahreszuwachs zurückschneiden. Ebenso lebende Zäune, Sträucher und andere Gehölze roden oder ganz zurückschneiden. Auch die Wallhecke darf nicht geschnitten werden, stehen dort Sträucher und Bäume (hier greift das Naturschutzgesetz).


Der Grund für dieses Verbot sollten jedem klar sein: Es nisten und brüten Vögel und andere Wildtiere haben dort ein Zuhause und ziehen ihre Jungen auf. Doch geht es nicht nur um die Vögel und Kleintiere – es geht auch um Insekten. Insbesondere Wildbienen, die ihre Brutstätten ebenfalls in Bäumen anlegen. Selbst Wespen und Hornissen stehen unter Naturschutz und dürfen in den Sommermonaten nicht gestört werden.


Dieses empfindliche Ökosystem gehört erhalten und gefördert – gerade, wenn man sich mit den aktuellen Zahlen von NABU auseinandersetzt und hört und liest, dass der Rückgang der Artenvielfalt immens geworden ist.


Weitere Informationen findet ihr auch auf den Internetseiten von www.NABU.de, www.BUND.de und www.Baumpflegeportal.de.


Auch hier gilt: eine achtsame Vorgehensweise, ohne Wildtiere zu stören oder gar zu töten.


Und wer einen ganz besonders achtsamen Umgang mit der Natur möchte, der mäht seinen Rasen oder seine Wiese nur alle 2 Wochen oder einmal im Monat und dann erst um 20 Uhr, wenn die meisten Insekten bereits schlafen gegangen sind. Wenn das Grundstück groß genug ist und ihr viel Klee oder andere Blümchen auf Eurer Wiese habt, dann mäht immer nur die eine Hälfte des Rasens im Wechsel und lasst die andere Hälfte stehen. So werden Bienen und Hummeln weniger irritiert und behalten ihre Nahrungsangebot im gewohnten Umkreis ;)


Bei Fragen oder Anregungen stehen wir natürlich gerne zur Verfügung!

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Über mich

Mein Name ist Mira Wieland. Mein Ziel ist es, Bäume zu erhalten, angemessen zu pflegen und sie zu schützen. Kappungen müssen vermieden werden, wie das unnötige Fällen gesunder und vitaler Bäume. Dabei nachhaltig und ökologisch zu arbeiten, ist mir ebenso wichtig, wie das Anwenden von geeigneten Schnittmaßnahmen.

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